Ohne Kroos nix los

By Andreas

Laut einer schlauen Regel im Fußball schießt Geld ja bekanntlich keine Tore. Das Problem aber ist: Es verhindert auch keine. So geschehen am Samstag im Spiel des Hamburger SV in Karlsruhe (2:3). HSV-Neuzugang Michael Gravgaard verschuldetet nicht nur stümperhaft das 0:1, sondern machte auch insgesamt eine äußerst unglückliche Figur. Unglücklich ist eigentlich noch untertrieben. An allen drei Gegentreffern maßgeblich beteiligt, drehte der Däne eigenmächtig das Spiel und beurteilte anschließend seine eigene Leistung im Hamburger Abendblatt wie folgt: „Ich habe Karlsruhe zurück ins Spiel gesetzt“. Unglücklich ließe sich wohl auch durch „unterirdisch“ ersetzen. Da würde sicher kein Hamburger Zuschauer widersprechen.

Einen gelungenen Einstand beim neuen Club hatte auch Leon Andreasen, der für 500.000 Euro vom FC Fulham zu Hannover 96 wechselte. Nicht, dass Hannover 1:3 gegen Energie Cottbus verloren hätte und die gegen Nationalkeeper Robert Enke ihren Torrekord der laufenden Saison eingestellt haben. Nein, auch Andreasen hatte am heutigen Sonntag einen Galaauftritt. „Von der ersten Minute an stand er im Fokus, weil er unfair spielte“, urteilt sportal.de. Mit einem Fehlpass leitete der Neuzugang zudem das 0:1 ein und verlor ganz nebenbei einen Zweikampf nach dem anderen. Gegen den seit Jahren auf international hohem Niveau spielenden Cottbuser Daniel Ziebig. (Gerüchten zufolge habe Jogi Löw den seit Jahren auf seiner Liste, auch Arsenals Arsène Wenger zeige Interesse, heißt es aus Lausitzer Kreisen…) Andreasen hatte schließlich ein Einsehen mit sich selbst, grätschte den Cottbuser Cagdas zu Brei und verließ anschließend den Platz. „Direkt nach seiner Ampelkarte kassierte seine Mannschaft zwei Gegentreffer und verlor das Spiel“. Note 6.

Diese beiden Einzelschicksale zeigen symbolisch das, was jedes Jahr um Neujahr herum in deutschen Haushalten passiert: Man nimmt sich viel vor für das neue Jahr – setzt es dann aber selten um. Die Gewinner dieser Winterpause sind vielleicht doch diejenigen Vereine, die Spieler ver- statt gekauft haben. Die sich ganz puristisch ihrer Altlasten entledigt haben, statt Völlerei auf dem Transfermarkt zu betreiben. Und so haben Schalke, Wolfsburg, Dortmund und Hoffenheim still und heimlich ihre Auswechselbank in der Winterpause auf den Sperrmüll gebracht.

Dass Geld eventuell doch Tore schießen kann, zeigte unlängst Boubacar Sanogo. Von Bremen als Stürmer Nummer 5 bereitwillig an Hoffenheim abgegeben, traf er gleich im ersten Spiel. Ebenso Angelos Charisteas in seiner Rolle als Ergebniskosmetiker für Bayer Leverkusen, auch wenn der nur aus einem Meter nach Zuckerpass von Kießling einnetzen musste. Und überhaupt Leverkusen: Viel war nicht zu sehen von dem vielzitierten Meisterschaftskandidat.  Abzuwarten bleibt weiterhin, wie Toni Kroos sich beim Werksklub entwickeln wird. Bislang ist er verletzt, ohne ihn spielte Leverkusen mäßig. Doch wie sie und vor allem ob sie mit ihm spielen werden – das steht auf einem anderen Blatt Papier. Und auch das ist ein Sinnbild für die Neuzugänge: Nicht alle halten eben, was sie versprechen.

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