Kaum rollt der Ball in Pokal und Liga wieder, steht auch schon das erste Länderspiel 2009 an. Der Gegner wird ein ersatzgeschwächtes Norwegen sein, das sich zur Zeit auch mit der Trainerfrage beschäftigt. Es sollen rund 20-30 Namen im Gespräch sein, darunter sei der Name Matthäus aber wohl nicht zu finden, glaubt Interimscoach Egil Olsen. Für das Team von Jogi Löw geht es vor allem darum, eine engagierte und emotionale Partie zu zeigen, um den letzten Eindruck vom Spiel gegen England zu korrigieren.
Mit Özil und Beck debütieren zwei junge Talente und mit Torsten Frings kehrt ein alter Leitwolf zurück ins Team. So weit so gut. Allerdings wird der von Löw forcierte Konkurrenzkampf auch 2009 das Thema für die Spieler der Nationalelf werden. Vor allem die T-Frage stellt sich stärker denn je, wenn man einen Blick in die Presse der letzten Tage wirft. Es taucht sogar die Frage auf, ob Deutschland ein Torwartproblem hat (Sport-Bild). Begründet wird dies unter anderem mit den jüngsten Leistungen eines René Adlers (2:4 gegen Suttgart) oder den statistischen Werten (Prozent abgewehrter Torschüsse) der aktuellen Kandidaten (Adler, Enke und Wiese) mit ihren Vorgängern (Kahn und Lehmann).
Nun steht Robert Enke heute nicht im Kader für das Spiel gegen Norwegen. Medienberichten zufolge war er darüber sowohl traurig als auch gekränkt. Löw hatte ihn aufgrund seiner langwierigen Verletzung vorerst nicht berücksichtigt. Aber Enke hat schon eine Einladung zu den nächsten Spielen im März erhalten – Grund ist der angesprochene Konkurrenzkampf.
Ähnlich wie 2006 wird es keine frühzeitige Entscheidung in der T-Frage geben, da davon ausgegangen werden kann, dass Löw sich erst kurz vor der Nominierung entscheidet. Es ist also noch Zeit Veränderungen in der Personalplanung vorzunehmen. Es wird ein ständiges Casting sein und jeder darf vorspielen. Löw und sein Trainerstab werden die Jury sein. Es wird Tränen der Trauer und der Freude geben und natürlich auch Kritik von alten Fussballfüchsen. Ein Torwart muss sich ja schließlich einspielen mit seiner Mannschaft – da wäre eine frühe Entscheidung hilfreich. Dieser Konkurrenzkampf über einen langen Zeitraum rückt noch zwei weitere Namen in den Fokus, Hildebrand und Neuer. Auch sie werden versuchen sich mit Leistung dem Bundestrainer zu zeigen, so dass man nicht wie 2006 von einem Zweikampf, sondern eher von einem modernen Fünfkampf um die Nummer 1 sprechen muss.
Nun hat sich der Bundestrainer für das heutige Spiel für Rene Adler entschieden. Er solle möglichst 90 Minuten spielen. Für Tim Wiese bleibt einmal mehr nur die Bank. Im Grunde verwundert diese Nachricht nicht. Von den genannten Kandidaten ist Wiese nämlich lediglich die gefühlte Nummer fünf. Auch er spielt nicht seine beste Saison. Seltsam mutet daher an, dass er laut SZ davon ausgegangen war, dass er spielt. Im Grunde obliegt ihm aber eigentlich genau jene Rolle, die Simon Jentzsch auf der Asientour 2005 inne hatte: Die des Lückenfüllers.
Hier liegen jedoch wie so oft Eigen- und Fremdwahrnehmung weit auseinander. Gerade bei Wiese. Doch auch er hat den Konkurrenzkampf angenommen – um genau das zu erfüllen, was Löw von seinen Nationaspielern erwartet. Die Panikmache mancher Medien, dass Deutschland ein Torwartproblem hat, lässt sich insofern nicht im Geringsten nachvollziehen. Gemäß dem Film „Highlander“, kann es bei der WM 2010 nur einen mit der Nummer 1 auf dem Trikot geben. Heute jedenfalls steht ein Adler auf der Wiese.
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